Das Universum verdünnt
EsoWatch.com berichtete gestern, dass einem italienischen Blogger von dem größten Hersteller homöopathischer Mittelchen Klage angedroht wird, weil er eines ihrer “Medikamente” offenbar verhonepiepelt.
Wieder ist ein Blogger unter Beschuss, diesmal von der multinationalen Firma Boiron, dem weltweit größten Hersteller homöopathischer Produkte. Dieser hat den Blogger mit Klage bedroht. Es wird Zeit, dass auch Boiron den Streisand Effekt kennenlernt um davon zu profitieren.
Der italienische Blogger Samuele Riva hat im Juli zwei Artikel (1 und 2) online gestellt, in denen er die Zuckerkügelchen mit dem Namen Oscillococcinum C200 auf die Schippe nimmt. Oscillococcinum wird als Grippemittel beworben und ist in den USA das meistverkaufte homöopathische Mittelchen. Und jetzt haltet euch fest, das Zeug, das einen Umsatz von 20 Millionen Dollar macht, wird aus Entenleber hergestellt. Also wenn das nicht Quack, Quack, Quacksalberei in Hochpotenz ist …
Für ein “Medikament” mit der Verdünnung C200 ist aber gar keine Ausgangssubstanz nötig. Jeder, der in Mathe aufgepasst hat und z.B. Wikipedia lesen kann, kann das leicht selbst nachvollziehen.
Naja, das Schöne ist, bei C200 musste vermutlich nicht einmal eine Ente dran glauben. Man nimmt einfach ein Tröpfchen aus einem See, über den mal eine Ente geflogen ist. Im Mittelalter oder so.
Nun, jedenfalls witzelte Samuele darüber, dass kein einziges Molekül von der Ursprungssubstanz mehr drin sein könne. Zur Erinnerung: C200 bedeutet, in einer Verdünnung von 1:10^400. Das sind 400 Nullen! Unser ganzes Universum besteht schätzungsweise aus 10^78 Molekülen. Selbst wenn man kein Stück Leber, sondern unser ganzes Universum verdünnt hätte, wäre schon ganz lange nichts mehr übrig gewesen.
Ist ungefähr so, als wollte man 1 Bonbon unter 10 Leuten aufteilen. Nur sind es nicht 10 Leute oder 100 oder gar 6 Millarden (6*10^9), sondern viel, viel mehr. Selbst wenn man jedes Sonnensystem und jeden Planeten im ganzen Universum mit Milliarden Menschen besiedeln würde, würde dieses Bonbon noch immer reichen müssen.
Wie es aussieht, möchte der Hersteller aber nicht unbedingt, dass das jedem so klar ist. Könnte ja jeder kommen und behaupten, dass in Zuckerkugeln nur Zucker drin ist.
Boiron reagierte nicht sehr amüsiert darüber, dass jemand Fakten über ihr Produkt schreibt und drohte sofort mit Klage. Ein Brief ging an den Internetprovider mit der Beschwerde, dass die Artikel und Überschriften “untrue and derogatory both of homeopathy and [the] company” seien und den Ruf der Firma beschädigen.
Nun, die Klageandrohung bewirkt nun jedenfalls, dass die Geschichte weitaus bekannter wird, als es der ursprüngliche Blogeintragvermocht hätte. Und auch das ist sehr schön: offenbar steht Boiron eine Klage bevor. Ein Kalifornier verklagt die Firma, weil sie falsche Angaben über die Inhaltsstoffe besagten Produkts machen. Das finde ich gut und unterstütze das durch meinen öffentlichen Jubel an dieser Stelle!