LaTeX und Noten für (klassische) Gitarre
Ich weiß nicht, ob es viele Menschen gibt, die Noten mit LaTeX setzen. Unbequem ist MusiXTeX ja schon. Es dürften noch weniger Menschen sein, die Noten für klassische Gitarre mit LaTeX setzen wollen. Diejenigen werden aber über den Umstand stolpern, dass es keine bequeme Möglichkeit gibt, die dort üblichen Fingersatz- und Barrégriffangaben zu realisieren. Ich bin jedenfalls darüber gestolpert, als ich eine grausig notierte Transkription von Beethovens „Mondscheinsonate” ins Reine notieren wollte. Ich habe etwas getüftelt, bis ich eine Möglichkeit gefunden habe. Diese Makros habe ich zusammen mit anderen für MusiXTeX und Gitarrennotation (auch Jazzgitarre) relevanten Makros zu einem Paket zusammengefasst.
Seit dem 07.03.2011 ist musixguit auch auf CTAN zu finden.Im folgenden möchte ich musixguit, das man hier oder unten herunterladen kann, etwas genauer vorstellen. Ich gehe davon aus, dass die Grundlagen von MusiXTeX bekannt sind. Für Fragen diesbezüglich verweise ich auf die Dokumentation. Man kann die Funktionalität von musixguit in drei Teile teilen:
1) Lagerfeuer
Mit „Lagerfeuer” meine ich die typische Liederbuch-Notation: ein Strophe und Refrain mit den Akkorden über dem Text, den restlichen Text hinterher ohne Wiederholung der Akkorde. Dafür hat musixguit fünf Befehle parat:
\chord{#1}{#2}setzt den Akkord#1über#2\Bschreibt ein ♭\Kschreibt ein ♯\Tkann verwendet werden, um den Beginn oder das Ende eines Taktes anzudeuten- Die Umgebung
songbringt die einzelnen Zeilen auf den erforderlichen Abstand, so dass die Akkorde bequem dazwischen passen.
Ein Beispiel:
You are my \T\ \chord{F}{sunshine}, my only \T\ sunshine.\\
You make me \T\ \chord{B\B}{happy} when skies are \T\
\chord{F}{gray}.\\
You never \T\ \chord{B\B}{know}, Dear, how much I \T\
\chord{F}{love} you.\\
Please don't \T\ take my \chord{C$^7$}{sunshine} a-\T\chord{F}{way}.
\end{song}
2) Jazzgitarre
Viele Notationen für Jazzgitarre sind Notationen für die Rhythmusgitarre. Es gibt aber auch Angaben für Lage, Picking und manchmal auch für die Saite. Insgesamt sieben Befehle stellt musixguit hier insgesamt zur Verfügung.
\strikebzw.\strkzeichnen einen diagonalen Strich, der eine Viertelnotenlänge repräsentiert, ohne den Rhythmus zu spezifizieren, wie es in Jazz-Notationen üblich ist;\pickd[#1]ist die Anweisung für ein downward picking im Plektrenspiel.\picku[#1]die Anweisung für ein upward picking;\tpickd,\tpickuStellen die Picking-Symbole auch im Text dar;\release[#1]zeigt an, dass der Druck der linken Hand auf die Saiten direkt nach dem Schlag entspannt werden soll, ohne die Finger von den Saiten zu nehmen.
Beispiele:
\generalmeter\meterC
\nobarnumbers
\startextract % 1
\Notes\lage3x\Uptext{Cm$^7$}\strike\en
\Notes\strike\en
\Notes\strike\en
\Notes\strike\en
\bar % 2
\notes\lage5x\Uptext{Dm$^{7\B5}$}\strk\en
\notes\strk\en
\notes\strk\en
\notes\strk\en
\bar % 3
\notes\lage4x\en
\notes\Uptext{G$^{7\B9}$}\release\pickd\roql i\en
\notes\release\pickd\roql i\en
\notes\zcharnote M{sim.}\pickd\roql i\en
\notes\pickd\roql i\en
\bar % 4
\notes\lage3x\en
\notes\Uptext{Cm$^7$}\ibl0i0\pickd\roqb0 i\picku\tbl0\roqb0 i\en
\notes\pickd\roql i\en
\notes\pickd\roql i\en
\notes\qp\en
\endextract
\setclefsymbol 1\treblelowoct
\setsign13
\startpiece
\leftrepeat\barno=1 % 1
\notes\lage2r\en
\notes\ibu0a9\pickd\finger4L\qb0a\pickd\qb0c\pickd\qb0e\pickd[p]
\qb0h\pickd[r]\qb0j\picku[t]\tbu0\qb0 l\en
\bar % 2
\notes\ibu0l{-9}\pickd[t]\qb0m\picku[s]\qb0{kifd}\tbu0\qb0 b\en
\bar % 3
\notes\ibl0f7\pickd\qb0e\picku\finger{4s}i\qb0g\pickd\qb0i\pickd
\qb0k\picku\qb0l\pickd[p]\tbl0\qb0n\en
\bar % 4
\notes\ibu0n{-9}\pickd[v]\qb0o\picku[u]\qb0l\qb0{jhe}\tbu0\qb0c\en
\bar % 5
\notes\ibu0a8\pickd\qb0a\pickd\qb0d\pickd\qb0f\pickd[p]\qb0h
\pickd[r]\qb0k\pickd[t]\tbu0\qb0m\en
\bar % 6
\notes\ibu0a8\pickd\qb0a\pickd\qb0c\pickd\qb0e\pickd[p]\qb0h
\pickd[r]\qb0j\picku[t]\tbu0\qb0l\en
\bar % 7
\notes\ibu0j{-6}\pickd[r]\qb0k\picku[q]\qb0{iged}\tbu0\qb0b\en
\rightrepeat % 8
\Notes\zcharnote e{\qp}\hlp a\en
\notes\zh c\zh e\zhu h\en
\Endpiece
\begin{center}
Also practice arpeggios with alt. \tpickd\ \tpicku .
\end{center}
3) Klassische Gitarre
In der klassischen Notation sind einige Angaben üblich, für die musixtex von sich aus keine Befehle hat. Da gibt es die Angabe der Lage, Fingersatz-Angaben, Barré-Angaben und Saitenangaben.
\lage[#1]{#2}{#3}Gibt die Lage des Fingersatzes an.\finger{#1}{#2}Wird verwendet, um den Fingersatz über oder unter eine Note zu schreiben.\Finger{#1}{#2}Wird verwendet, um den Fingersatz vor eine Note zu schreiben.\barree{#1}{#2}{#3}{#4}Makro, um eine Barré-Anweisung zu setzen.\saite{#1}{#2}Die zu spielende Saite angeben.
Beispiele:
\parindent 0pt
\setclefsymbol 1\treblelowoct
\systemnumbers
\generalsignature{0}
\startpiece
\leftrepeat\barno=1 % 1
\Notes\lage2p\ibu0c2\Finger2c\saite5M\qb0{cde}\tbu0\qb0f\en
\Notes\ibu0g1\qb0g\Finger{1~~}g\qb0{^g}\finger1h\qb0h\tbu0
\qb0i\en
\bar % 2
\Notes\ibl0j2\qb0{jkl}\tbl0\Finger1m\qb0 m\en
\Notes\ibl0n0\Finger2n\qb0{n^no}\tbl0\qb0n\en
\bar % 3
\Notes\ibl0n{-2}\cna n\qb0n\Finger1m\qb0m\finger4l\qb0l\tbl0
\qb0k\en
\Notes\ibl0j{-1}\qb0{jih}\Finger{4~~}h\tbl0\qb0{_h}\en
\bar % 4
\Notes\ibu0g{-2}\Finger4g\qb0{gfe}\tbu0\qb0d\en
\Notes\ibu0c{-1}\qb0{cba}\tbu0\qb0b\en
\setrightrepeat
\endpiece
\qb0h\tbu0\qb0j\en
\notes\ibu0f8\qb0f\qb0h\tbu0\qb0j\en
\notes\barree d{19}{5.75}3\finger3N\zhl d\ibu0f8\qb0f\qb0{_i}
\tbu0\qb0k\en
\notes\ibu0f8\qb0f\qb0{_i}\tbu0\qb0k\en
\bar% Takt 4
\notes\Finger0L\zwh L\ibu0e8\Finger2e\qb0e\finger1d\qb0{^g}\tbu0
\Finger4k\qb0k\en
\notes\ibu0e8\qb0e\Finger3h\qb0h\tbu0\Finger1j\qb0j\en
\notes\zwh L\ibu0e8\qb0e\qb0h\tbu0\finger0f\qb0{=i}\en
\notes\ibu0d8\Finger0d\qb0d\Finger1g\qb0g\tbu0\qb0i\en
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21. Januar 2011 von Clemens
Kategorien: LaTeX, Musik |
Schlagwörter: Barré, Fingersatz, Gitarre, Jazz, Klassik, Lage, Lagerfeuer, LaTeX, Musik, musixguit, Noten |
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