Gute Lehrer, schlechte Lehrer

Inzwischen hat es sich ja vielleicht herumgesprochen, dass ich Paartanz, genauer gesagt Standard-/Latein-Tänze, lerne. Vielleicht eines vorneweg: die Tanzkurse waren alles Uni-Sport-Kurse. Hier ging es nicht darum, Tanz als Profisport zu lernen. Dabei hatte ich inzwischen vier verschiedene Lehrer-Paare. Darunter zwei gute bis sehr gute und zwei nicht so gute bis schlechte. Was hat die guten Lehrer ausgemacht? Zwei Aspekte sind mir da wichtig: zum einen natürlich das Vorführen und Erklären der Figuren und der Technik. Das konnte eines der Lehrerpaare hervorragend, bei zweien war es in Ordnung, bei einem schlecht. Der zweite Aspekt ist der Umgang und das Zwiegespräch mit den Tanzschülern und -schülerinnen. Auch da gab es das ganze Spektrum, von hervorragend bis schlecht. Ich will noch einmal genauer klären, was ich mit den zwei Punkten meine.

Der erste ist vielleicht klar: wie werden Tanzfiguren vorgeführt, wie viel Zeit wird auf die Erklärung verwandt, wie gut werden einzelne Teile besprochen und zusammengesetzt. Dabei gibt es – so wie überall – verschiedene Herangehensweisen und nicht jede ist für jeden Schüler die richtige. Darum will ich mich hier nicht zu sehr aufregen darüber, dass ich manches nicht so gut fand. Was ich aber wirklich schlecht fand, war die Art eines Lehrers, nicht aus Sicht eines Lernenden auf die Tanzfiguren eingehen zu können, sondern aus Sicht eines ehemaligen Turniertänzers. Und damit gab es immer zu viele Informationen auf einmal.

Ich persönlich kann auch nicht so viel damit anfangen, neue Figuren nicht als einzelne Figuren zu lernen, sondern mit anderen – im Idealfall bekannten und beherrschten – Figuren im Verbund. Anderen mag es aber durchaus gefallen, neues in vertrautem Kontext zu lernen, vielleicht auch Sicherheit geben, so eine Art Choreografie zu lernen.

Der zweite Punkt ist einer, der mir mehr zu schaffen gibt. Drei von vier Lehrerpaaren haben sich nach dem Vorführen und Besprechen von Figuren und der Technik danach die Zeit genommen, auf die Schüler einzeln und individuell einzugehen, während der Rest für sich das neu gelernte üben konnte. Zum Teil war das wirklich gut, d.h. die Lehrer sind auf jedes Paar zugegangen, haben jedem Paar zugesehen und Tipps gegeben. Bei anderen war es nicht ganz so gut, man musste zum Teil erst auf die Lehrer zukommen, dann haben sie sich aber zumindest bemüht, einem zu helfen.

Das vierte Paar, bei denen ich aktuell einen Kurs mache, macht es anders: alle Schüler stellen sich auf und gehen die Figuren gleichzeitig durch, während einer der Lehrer durchzählt. Beide Lehrer stehen oder sitzen dabei am Rand und schauen zu. Stellt man als Paar eine konkrete Frage, wird man auf das spätere gemeinsame Durchgehen der Figur vertröstet. Hier fehlt mir einerseits der Aspekt, den Schülern ein individuelles Lerntempo zuzugestehen, und die Möglichkeit, neues in eigenem Tempo zu üben. Auf der anderen Seite fühlt man sich als Schüler auch nicht richtig ernst genommen. Diese Vorgehensweise mag der Tatsache geschuldet sein, dass der Kurs recht voll ist, und eine echte individuelle Betreuung den zeitlichen Rahmen sprengen würde. Dennoch glaube ich, dass man den Unterricht anders angehen könnte.

Dass das Tempo in einem Fortgeschrittenenkurs höher ist, als in einem Anfängerkurs, kann meines Erachtens auch nicht als Entschuldigung gelten, nicht auf die Schüler direkt einzugehen.

Ich stelle fest, dass ich damit nicht wirklich gut umgehen kann. Zum ersten Mal macht ein Tanzkurs nicht mehr ganz so sehr Spaß. Ich merke, dass mich mich öfters bei dem Gedanken ertappe, den Kurs gerne ausfallen zu lassen. Ich fühle mich in diesem Kurs mehr auf mich alleine gestellt, als in allen anderen Kursen zuvor. Natürlich werde ich den Kurs dennoch beenden, und mich bemühen, soviel wie möglich mitzunehmen. Bei der Wahl eines weiteren Kurses könnten die Lehrer allerdings für mich zum ersten Mal zu einem zentralen Aspekt werden.

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25. November 2010 von Clemens
Kategorien: Bildung, Musik, Persönliches | Schlagwörter: , , , , , | Schreibe einen Kommentar

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