LaTeX: chemische Formeln erstellen V – weitere
LaTeX & Chemie – der Überblick als pdf und Quelldatei: LaTeX & Chemie - Überblick (v2011/03/12, 414.78 kB, 745 mal heruntergeladen)Weitere Pakete
Es gibt noch das eine oder andere Paket, dass spezielle Features bereitstellt, die man vielleicht mal benötigt. Man kann sie meiner Meinung nach in drei Kategorien unterteilen: a) nützlich für Papers b) weniger mächtig beim Erstellen von Strukturformeln c) nutzlos. Ich werde im folgenden näher darauf eingehen.
a) Nützlich für Papers
Hier sind einige Pakete zu nennen: bpchem, chembst, chemcompounds, chemcono und chem-journal. Fangen wir vorne an.
bpchem von Bjørn Pedersen stellt die nutzlose Funktion \BPChem{C\_2H\_5OH} zur Verfügung – hier ist man mit mhchem besser bedient. Daneben liefert es eine Referenz-Funktion mit den Befehlen \CNlabel, \CNlabelnoref und \CNref. Damit können Substanzen auf die in der Chemie üblichen Weise referenziert werden, ohne dass man mit anderen Querverweisen durcheinander kommt.
can also be used otherwise, while \CNref{ad} cannot.

chembst von Stephan Schenk stellt BibTEX Style Files für die Chemie-Journals Chem. Commun., Inorg. Chem., J. Am. Chem. Soc. und Chem. Eur. J. zur Verfügung. Ich selbst habe es nie verwendet und kann nicht viel dazu sagen.
chemcompounds, ebenfalls von Stephan Schenk, ist eine flexiblere Makrosammlung, um Substanzen logisch durchzunummerieren, als es bpchem ist. Stephan Schenk hat sich dabei offenbar von chemcono inspirieren und anleiten lassen, war mit dessen Funktionalität wohl aber nicht zufrieden. In der Einleitung der Dokumentation schreibt er:
In chemical publications it is often necessary to consecutively number every compound mentioned in the text. Although this can be simply accomplished by manually inserting the corresponding numbers into the text, it is generally much more tedious work since the numbering scheme tends to change several times during the evolvement of the manuscript. For this reason it would be nice to have an automaticism which will take care of every change.
Being myself a chemist, I’ve been using the chemcono package by Stefan Schulz for this purpose quite successfully over several years. This package creates a library very similar tothebibliography. Users can now refer to entries in the library by a command very similar to\cite. Thus, once you change the library entry every reference to it will be updated automatically upon running LaTeX on the file. There is only one issue associated with this package: You get a list of all declared compounds inside your document wich at least looks odd. I therefore decided to write a new package chemcompounds described in this document to address this problem.
chem-journal habe ich mir nicht genauer angesehen. Offenbar bietet es
Various BibTeX formats for journals in Chemistry.
b) machtlos
Es gibt die oft genannten Pakete chemtex und XyMTeX, die es einem ermöglichen sollen, (organische) Strukturformeln zu erstellen. In beiden Fällen gilt: die Möglichkeiten sind begrenzt. Entweder ist man mit streeTeX besser bedient, weil es leichter zu handhaben ist, oder man weicht sowieso auf ochem aus, damit man auch verwirklichen kann, was man sich vorstellt[1].
Zusatz 02.10.2010: Ich muss mich in Hinsicht auf XyMTeX korrigieren. Diese Paket-Sammlung von Shintaku Fujita – 11 Einzelpakete, die alle epic benötigen, – bietet tatsächlich ziemlich viele Möglichkeiten, organische Strukturen zu generieren. Allerdings besteht keine einheitliche Syntax, vielmehr benötigt man zahlreiche unterschiedliche Befehle für die verschiedenen Strukturtypen. Vermutlich ist eine Arbeit, ohne das Manual daneben liegen zu haben, gar nicht möglich. Reaktionsgleichungen und damit Reaktionsmechanismen sind in XyMTeX ebenfalls nicht vorgesehen.
c) Nutzlos
Hier sind vor allem die Pakete chemarrow und chemsym zu nennen.
chemarrow von Thomas Schroeder stellt eine Reihe von Pfeilen zur Verfügung, um Reaktionsgleichungen in der Mathematikumgebung zu erstellen.
\usepackage{chemarrow}
% Dokument:
\newcommand{\aqua}{\ensuremath{\text{H}_{\text{2}}\text{O}}}
\newcommand{\acid}{\ensuremath{\text{H}_{\text{3}}\text{O}^{\text{+}}}}
\newcommand{\base}{\ensuremath{\text{OH}^{\text{$-$}}}}
\begin{displaymath}
\aqua + \aqua\ \chemarrow\ \acid + \base
\end{displaymath}
\begin{displaymath}
\aqua + \aqua \autorightarrow{$k_a$}{$k_b$} \acid + \base
\end{displaymath}
\begin{displaymath}
\aqua + \aqua \autorightleftharpoons{$k_a$}{$k_b$} \acid + \base
\end{displaymath}
![]()


Ich nehme an, Sie stimmen mir zu, dass mhchem bequemer und flexibler ist.
chemsym von Mats Dahlgren dagegen soll es vereinfachen, Summenformeln vereinheitlicht zu schreiben, eine Rolle, die mhchem ebenfalls besser und leichter erledigt.
Noch nicht ausprobiert.
Bei der Recherche nach Chemie-packages sind mir noch zwei weitere untergekommen, die ich allerdings noch nicht getestet habe und zu denen ich nicht viel sagen kann. Zum einen wäre da chemstyle von Joseph Wright. In der Dokumentation heißt es:
The chemstyle bundle provides two packages: chemstyle and chemscheme. Both are intended to help chemists create floating graphics and match published styles.
The chemscheme package consists of two parts, both related to chemical schemes. The package adds a scheme float type to the LaTeX default types figure and table. The scheme float type acts in the same way as those defined by the LaTeX kernel, but is intended for chemical schemes. The package also provides a method for adding automatic chemical numbering to schemes.
The chemstyle package provides a “one-stop shop” for setting up formatting of LaTeX documents following the editorial policies of various chemical journals. It provides a number of handy chemistry-related commands, and loads several support packages to aid the chemist.
Zum anderen gibt es noch chemfig von Christian Tellechea. Das Paket ist ganz neu, die Version 0.2 ist vom 31. August 2010. Auf den ersten Blick scheint das Paket eine weitere einfache Lösung für Strukturformeln zu sein und – was mir persönlich gut gefällt – auch ein Makro für Lewisformeln bereit zu stellen. Christian Tellechea hat sich dabei des TikZ-Paketes (CTAN, siehe auch CTAN) und der tikzpicture-Umgebung bedient. Die Dokumentation gibt es auf Englisch und Französisch und ist knapp 50 Seiten stark, gespickt mit Beispielen. Ich könnte mir vorstellen, dass das Paket für viele einen guten Kompromiss darstellen könnte.
Hier gibt es Beispielbilder aus der Dokumentation:



Edit: Inzwischen gibt es hier den 6. Teil zu lesen.
Fazit
Natürlich ist die Liste auch damit noch nicht komplett. Ich hoffe aber, insgesamt einen Überblick gegeben zu haben, welche Anwendungen es schon gibt, und was bislang so möglich ist. Wie Sie lesen konnten, gibt es also eine ganze Reihe Möglichkeiten, so dass man auch als Chemiker nicht auf LaTeX verzichten muss.
Nimmt man außerdem noch die ganzen pstricks-Pakete dazu, mit denen man auch Spektren etc. pp. darstellen kann, bleiben meiner Meinung nach kaum noch Wünsche offen.
Wenn etwas unklar geblieben ist, wenn Sie Fragen zu einzelnen Paketen haben oder wenn Sie Pakete kennen, die noch in die Liste aufgenommen werden sollten, dann Fragen Sie bitte. Hinterlassen Sie einfach einen Kommentar am entsprechenden Beitrag, und ich werde mich bemühen, Ihnen so gut wie möglich zu helfen.
Sie finden alle hier vorgestellten Pakete auf CTAN, einige auch hier.
Zurück zu “LaTeX: chemische Formeln erstellen IV” (ochem).
Weiter zu “LaTeX: chemische Formeln erstellen VI” (chemfig).
- [1] Oder man möchte sich vielleicht in chemfig einarbeiten, das eine echte Alternative zu sein scheint. ↩