Denglisch

Es ist nicht weiter schlimm, dass sich die deutsche Sprache verändert. Bis auf ein paar wenige Sprachwissenschaftler kann heute auch niemand mehr das Deutsch von vor 500 Jahren sprechen.[1] Dass sich die Rechtschreibung geändert hat – das war nicht das erste Mal und wird auch nicht das letzte Mal bleiben. Das ist nur eine Konsequenz der sich ändernden Sprache. Auch die vielfach verteufelten Anglizismen sind ein weit geringeres Problem, als mir mein persönlicher Ärger darüber suggeriert. Ich werde mich zwar weiterhin weigern, “etw. macht Sinn” zu sagen oder gar zu schreiben, und stattdessen “etw. ergibt Sinn” verwenden, habe mich im Grunde aber damit abgefunden, dass ich damit weitestgehend alleine stehe. Dass wir Worte wie “Internet”, “Web”, “Browser”, “Router”, “Flatrate”, “cool” oder die Wortkreation “Handy” in unseren Sprachgebrauch aufgenommen haben, ist vollkommen in Ordnung. Zum Teil fehlen unserer Sprache da einfach die richtigen Worte, um sie angemessen ins Deutsche zu übersetzen. Ich habe auch wenig Schwierigkeiten, feststehende Begriffe wie “Social Media” zu verwenden. “Soziale Medien” trifft es einfach nicht. Selbst die “App” als Ersatz für eine spezielle “Anwendung” ist durchaus akzeptabel. Diese Liste ließe sich leicht noch erweitern.

Warum aber müssen wir das “Geschäft” durch “Shop”[2] ersetzen? Warum heißt “abstimmen” neuerdings “voten” (grausig!)? Weshalb ersetzt “adden” “hinzufügen”? Und wieso – um Himmels Willen! – wurde aus den Formulierungsmöglichkeiten “Im Jahr 2010 wurde…” und “2010 wurde” die im Deutschen so gruselig klingende Variante “In 2010 wurde…”?

Edit: Noch so eine Ausgeburt: “faven” für “mögen”/”Gefallen bekunden”.

Wenn Sie weitere schlimme oder akzeptable Anglizisten haben: immer her damit! Ich werde hier eine Liste veröffentlichen.

P.S.: Es ist zwar kein Anglizismus, aber die Tatsache, dass Leute[3] nicht mehr sagen können “Ich bin an der Friedrichstraße”, sondern identifizierend “Ich bin Friedrichstraße” sagen müssen, jagt mir jedes Mal einen Schauer über den Rücken.

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  1. [1] Soweit ich weiß, gab es damals noch kein “Hochdeutsch”, sondern lediglich Dialekte, von denen später einer als “Hochdeutsch” ausgewählt wurde. Berichtigen Sie mich, wenn ich falsch liege.
  2. [2] Was dann zu so absurden Sprachmischungen wie dem “Backshop” führt…
  3. [3] Ja, auch Muttersprachler!

18. September 2010 von Clemens
Kategorien: Bildung, Gesellschaft, Kultur | Schlagwörter: , , , , , | 4 Kommentare

Kommentare (4)

  1. Sprache ändert sich. Vielfach werden englische Begriffe verwendet, weil die deutschen tabuisiert werden. “Fuck” ist ein Beispiel. Aber ruhig Blut: früher sagten die Leute “Petting” und heute gehen ihre Kinder fummeln.

  2. Auf der schweizer Webseite http://www.Spottlight.ch hat es zum Teil hochinteressante, fundierte Berichte zum Thema Denglisch, aber auch Beiträge, die einfach nur zum Lachen anregen.

  3. Auch besonders gruselig der folgende falsche Freund: “realisieren” im Sinne von “merken”.

  4. @Urs: Die Seite ist gleich mal in meinem RSS-Reader gelandet.

    @Michael: Das hab ich ja noch nie gehört. Es gibt wirklich Menschen, die “realisieren” so verwenden?

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