LaTeX: chemische Formeln erstellen I – mhchem
Chemie und LaTeX, wie funktioniert das zusammen? Offenbar findet man nirgendwo eine brauchbare Übersicht darüber, welche Pakete funktionieren und welche man getrost ignorieren kann. Jedenfalls habe ich nirgends etwas gefunden, das mich zufriedengestellt hätte. Wenn Sie mehr wissen – ich freue mich über jede Anregung.[1]
Ich habe mich auf die Suche gemacht und viele Anwendungen ausprobiert. Welche Pakete man braucht, wie sie funktionieren und worauf man achten sollte, das möchte ich hier einmal vorstellen. Im folgenden werde ich auf vier Pakete näher eingehen, ihre Funktionsweise beschreiben und erläutern, welche Möglichkeiten sie bieten.
mhchem – Martin Hensels Paket
mhchem ist vor allem für Anorganische Chemie, Summen- und Verhältnisformeln und Reaktionsgleichungen anwendbar. Hier liefert es aber hervorragende Ergebnisse bei wirklich einfacher Anwendung.
Der größte Vorteil dieses Pakets ist, dass Sie mit nur einem einfachen Befehl sämtliche Formeln setzen können. Im Text, in der Mathematik-Umgebung, wo Sie wollen.
Zunächst binden Sie das Paket in der aktuellsten Version (Version 3) ein:
Die Funktionsweise ist im wesentlichen folgende: alle Formeln werden in das
-Makro gesetzt:
Mit diesem Befehl können Sie Sich alle Unterstriche u.ä. (_ , ^ und so weiter) sparen, mhchem erkennt selbstständig, ob ein Index gemeint ist oder nicht. Beispielsweise liefert
folgendes Ergebnis:
An diesem Beispiel erkennen Sie auch gleich, wie einfach man Reaktionspfeile erstellt. Dazu gleich mehr.
Auch Ionen und Komplexe lassen sich einfach erstellen:
\ce{[Cu(NH3)4]SO4} \\
\ce{KCr(SO4)2.12H2O} \\
\ce{Ba^2+ + SO4^2- -> BaSO4 v} \\
\ce{H2CO3 <=> H2O + CO2 ^}
Sehr schön ist die einfache Eingabe rationaler Zahlen für die stöchiometrischen Faktoren:
Darüber hinaus ist es wirklich einfach, verschiedene Reaktionspfeile zu erstellen und zu beschriften. Man beachte allerdings, dass die Beschriftung der Pfeile im Mathematik-Modus gesetzt wird. Möchte man normalen Text, muss man entweder den \text{}-Befehl verwenden oder ein ‘T’ vor die Klammer schreiben. Ganz ähnlich lassen sich chemische Summenformeln in die Pfeilbeschriftung einfügen.
\ce{A ->[\Delta] B} \\
\ce{A ->[oben][unten] B} \\
\ce{A ->[\text{oben}][\text{unten}] B} \\
\ce{A ->T[oben][unten] B} \\
\ce{A ->[\ce{H2O}] B} \\
\ce{A ->C[H2O] B} \\
\ce{A <- B} \\
\ce{A <-> B} \\
\ce{A <=> B} \\
\ce{A <=>> B} \\
\ce{A <<=> B}
Eine der schönen Eigenschaften des \ce-Befehls ist es, dass er problemlos sowohl in der Mathematik- als auch in der Text-Umgebung einsetzbar ist.[2] Es ist auch möglich, mehrere Reaktionsgleichungen auszurichten, etwa mit der align-Umgebung, allerdings sollte dann der \cee-Befehl verwendet werden.
\ce{ CH3CHO ->[OX] CH3COOH }
\end{equation*}
\begin{align*}
\cee{Cl2 &-> 2 Cl} \\
\cee{Cl + CH4 &-> HCl + CH3} \\
\cee{CH3 + Cl2 &-> ClCH3 + Cl}
\end{align*}
Weitere Möglichkeiten (wie erstellt man automatisch nummerierte Gleichungen?) werden natürlich in der Dokumentation beschrieben. Sie kann wie das Paket und zusätzlich Martin Hensels Paket rsphrase[3] auf CTAN oder hier (Downloadlink: mhchem (v3.07, 257.24 kB, 187 mal heruntergeladen)) heruntergeladen werden.
Weiter zu “LaTeX: chemische Formeln erstellen II” (chemexec).
- [1] Tatsächlich stimmt das nicht. Während der Erstellung dieses Beitrags fand ich einen Blog, in dem einige Pakete ausführlich erklärt werden. Allerdings fehlt auch dort ein meiner Meinung nach hervorragendes Paket. Das sollte mich also nicht von der Fertigstellung dieses Beitrags abhalten. Dennoch: hier ist der Link zu besagtem Blog. ↩
- [2] Mehr dazu und zu Schriftarten schreibt Martin Hensel in der Anleitung zu dem Paket. ↩
- [3] Bedenken Sie hier, dass ab Dezember 2010 das GHS-System mit den H- und P-Sätzen in Kraft tritt. ↩


